Gospelkonzert beim Karneval der Kulturen - eine interessante Studie über Zweibeiner
13. Mai 2008 by behindertenbegleithundshackyPfingsten, für mich eigentlich sonst ein tolles Urlaubswochenende, weil mein Frauchen zum KdK, dem Karneval der Kulturen in Berlin, geht. Ich darf dann bei Freunden das Wochenende geniessen und werde besonders verwöhnt. Doch Frauchen beschloss in diesem Jahr, mal eine kleine Auszeit vom Karneval zu nehmen und Pfingsten mit mir zu verbingen. Aber dann sah sie im Programm des KdK, dass am Abend ein Gospelkonzert in der Heilig Kreuz Kirche am Blücherplatz stattfinden sollte. O je, immer diese spontanen Ideen meines Frauchens. Ich wurde also in mein Behindertenbegleithundoutfit gesteckt und glücklicherweise dachte Frauchen in der allgemeinen Hektik nicht daran den Fotoapparat einzupacken. Und los ging es Richtung Straßenfest des KdK.
Solche Menschenmaßen auf so engem Raum habe ich ja noch nie gesehen. Aber da war mein Frauchen schlau und loste mich nicht durch das Straßenfest sondern am Rande entlang zur Kirche.
Ja, ja, ich durfte das erste Mal mein Frauchen in ein Konzert begleiten. Aufregend war das. Man kommt in einen großen Raum, mit mehreren Etagen. Überall saßen, standen und lagen Menschen. Sie schauten entzückt auf etwas, was sie Bühne nennen. Dort standen, naja ich würde mal schätzen, 20 Leute. Und dann stand da auch noch so eine riesige Kiste, mit weissen und schwarzen Tasten. Wenn ein Zweibeiner auf eine dieser Tasten drückte, kam da ein komisches Geräusch heraus. Ein weiterer Zweibeiner hatte etwas in der Hand, dass wie ein überdimesioner Knüppel aussah. Jedenfalls hatte es einen langen Stock, der dann unten wie eine acht immer breiter wurde. Und dann entdeckte ich noch mehrere runde Töpfe, auf die später immer ein Zweibeiner einschlug. Hoffentlich tut das den Töpfen nicht weh.
Frauchen murmelte inzwischen, dass wir uns einen schönen Sitzplatz suchen sollten und lief zielsicher auf eine Treppe zu. Auch das noch. Treppensteigen bis unters Kirchendach. Aber ich muss sagen, die Anstrengung hat sich gelohnt. Wir hatten ein supertollen Blick auf die Bühne. Und dann ging es los.
Auf einmal haute ein Zweibeiner auf die Tasten, der Knüppel gab Geräusche von sich und auch die Töpfe wurden kräftig geschlagen. Ich sah, wie die Zweibeiner auf der Bühne tief Luft holten und dann, in einer mir unbekannten Sprache, Laute in allen erdenkbar schrägen Tonlagen von sich gaben. Hörte sich einfach grauenhaft für Hundeohren an. Mal ehrlich, wenn hund so jaulen würde, man würde versuchen hund sofort wegen Lärmbelästigung zum Schweigen zu bringen, aber bei den Zweibeinern scheint das Kultur zu sein. Kann mir mal bitte jemand den Unterschied erklären.
Ein Blick in die Runde ließ mich erschauern. Fast alle Zweibeiner im Saal sahen sehr entzückt zur Bühne. Nach einer Weile verstummten die Leute auf der Bühne. Dafür wurde es jetzt im Saal sehr laut. Die Menschen schlugen in die Hände, pfiffen oder jauchzten. Und dann setzten wieder die Leute auf der Bühne mit ihrem Geschrei ein. Aber welche Überraschung. Auf einmal sah ich meine heißgeliebte See, später Wälder und andere Farbspiele an der Kirchendecke. Und dann kam die größte Versuchung für mich. Man ließ Bälle unter der Decke tanzen. Ach hätte ich die doch fangen dürfen, aber nein - alles Spielverderber hier. Es ging immer wechselseitig weiter. Mal kreischten die Leute auf der Bühne, mal machten die Leute im Saal Krach. Und dann versuchte man es auch gemeinsam. Die Leute auf der Bühne machten komische Verrenkungen und die Zweibeiner im Saal versuchten es auch.
Jaul, ich will auch. Einmal habe ich dann versucht zu bellen. Aber der Blick meines Frauchens sagte mir, klug ist das nicht. Nach einer Stunde wollten sich die Leute auf der Bühne verabschieden. Die Zweibeiner im Saal ließen das überhaupt nicht zu. Da capo, da capo, Zugabe wurde immer wieder gerufen. Und die armen Leute auf der Bühne sahen sich veranlasst wieder schön zu schreien. Nach drei weiteren Liedern, schnappt sich endlich jemand das Mikro und erklärte, dass die nächste Gruppe schon mit ihrer Darbietung warten würde und dass das Konzert jetzt beendet sei.
Juchhu, endlich! Ich gab Fersengeld und wollte nur noch raus. Draußen hatte ich schon mehrere Hunde zum Spielen gesehen. Und ich muss euch sagen, es hat viel mehr Spaß gemacht als der Besuch des Konzerts.
Und was habe ich aus dem Ganzen gelernt. Demnächst bitte ich Pfingsten wieder bei Frauchens Freunden um Asyl. Irgendjemand hat bestimmt ein kleines Plätzchen für mich.
















